Konzept

„Multimodalität und multimodale Analysen von Sprache-Bild-Texten“

(PD Dr. Dorothee Meer/Dr. Steffen Pappert)

Die Grundidee des Workshops: Die Research School wendet sich gezielt an 18 Doktorand/inn/en und Post-Doktorand/inn/en, die sich im Rahmen empirisch ausgerichteter Qualifikationsarbeiten/Forschungsprojekte aus semiotischer Sicht mit Fragen der multimodalen Analyse von Sprache-Bild-Texten (im weitesten Sinne) beschäftigen. Neben grundlegenden methodischen Überlegungen zur Analyse multimodaler Sprache-Bild-Texte sollen die Unterschiede zwischen der Analyse statischer im Gegensatz zu bewegten Bildern einen der zentralen Schwerpunkte des Workshops ausmachen (Schneider/Stöckl 2011[1]).

 

Thema und Forschungsstand: Wir leben in einem „Zeitalter des Visuellen und Audiovisuellen“ (Klemm/Stöckl 2011: 7[2]). Ob Zeitungen, Zeitschriften, Werbeplakate, Internet oder Fernsehen: statische und/oder bewegte Bilder in Kombination mit Sprache dominieren unseren Alltag. Zwar ist es immer noch so, dass in weiten Teilen das kollektive Wissen sprachlich geprägt ist, aber die Bedeutung anderer Zeichenmodalitäten nimmt stetig zu. Multimodalität avanciert gleichsam zum Normalfall. Als Terminus steht Multimodalität „symptomatisch für einen durchgreifenden Perspektivwechsel innerhalb der (angewandten) Linguistik“ (Michel i.Dr.[3]). Neben der Sprache rücken die Vielfalt möglicher Zeichen und ihre Verknüpfungen zu multimodalen Zeichenkomplexen in den Fokus. Das hat theoretisch-methodologische und methodische Konsequenzen, die im Rahmen des Workshops nicht nur ausgelotet, sondern auch empirisch erprobt werden sollen. Dabei sind sowohl interdisziplinäre Bezüge zur Bild-, Medien- und Kulturwissenschaften von Belang, als auch neuere intradisziplinäre Ansätze, wie beispielsweise die Bildlinguistik (Diekmannshenke/Klemm/Stöckl 2011[4]) oder die multimodale Text- und Diskurssemantik (Klug i.Dr.[5]). Es wird der Versuch unternommen, Beschreibungsinstrumentarien zu entwickeln, die die semiotischen Potenziale der unterschiedlichen Zeichenmodalitäten sowie ihr Zusammenspiel adäquat erfassen, wobei der Unterscheidung von rein visuellen Text-Bild-Kombinationen und audiovisuellen Kommunikaten besondere Aufmerksamkeit geschenkt wird. Hier werden Desiderate in Angriff genommen, die unseres Erachtens trotz einiger Arbeiten auf diesem Gebiet immer noch bestehen. Ganz im Sinne einer angewandten multimodalen Linguistik sollen darauf aufbauend nicht nur Konzepte zur Vermittlung von „Sehlesekompetenzen“ (Schmitz 2015[6]) entwickelt werden, sondern auch zum Verstehen von audiovisueller Kommunikation.

 

Das Konzept: Geplant ist eine 3-tägige Research School, deren Konzept sich zusammensetzt aus einem theoretisch grundlegenden Teil, der durch die Workshopleitung und drei externe Referenten sichergestellt wird, und einem praktisch-analytischen und die Teilnehmer/innen beratend-unterstützenden Teil, der sich aus den konkreten Forschungsprojekten der Teilnehmer/innen ergibt. Der konzeptionell grundlegende Teil so wie die beratenden Elemente sollen durch die Workshopleitung (Dorothee Meer, Steffen Pappert) und die drei eingeladenen Experten (Sascha Michel, Ulrich Schmitz, Jan-Georg Schneider) sichergestellt werden.

 

Die Möglichkeit des Austausches über …

I. … grundlegende theoretische und methodische Überlegungen zur Analyse multimodaler Sprache-Bild-Texte mit folgenden Schwerpunkthemen:

a. Semiotische Grundlagen der Multimodalität
b. Textlinguistische Überlegungen zum Begriff der Multimodalitä
c. Der Begriff der „Sehfläche“ als Paradigma der multimodalen Erfassung von Texten mit statischen Bildern

II. … grundlegende theoretische und methodische Überlegungen zur Analyse medialer audiovisueller Kommunikationsformen mit folgenden Schwerpunktthemen:

d. Modelle zur Erfassung der multimodalen Sinngenerierung aus Sprache, (bewegtem) Bild und Ton
e. Differenzen zwischen der Beschreibung statischer (visueller) und dynamischer (audiovisueller) Bilder
f. Wahrnehmung und kognitive Verarbeitung audiovisueller Kommunikate

III. … methodische und forschungspraktische Fragen zum eigenen Projekt mit ExpertInnen und anderen TeilnehmerInnen

Insgesamt besteht das Ziel des Workshops darin, mit den TN zum einen über methodisch grundlegende Fragen der Analyse multimodaler Texte aus semiotischer Sicht ins Gespräch zu kommen, zum anderen geht es darum, die in diesem Zusammenhang theoretisch diskutierten Fragen anhand konkreter empirischer Projekte aus dem Feld der TN praktisch zu diskutieren.

 

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[1] Schneider, Jan Georg / Hartmut Stöckl (2011): Medientheorien und Multimodalität: Zur Einführung. In: Schneider, Jan Georg / Stöckl, Hartmut (Hgg.) (2011): Medientheorien und Multimodalität. Ein TV-Werbespot – Sieben methodische Beschreibungsansätze. Köln: Halem, 10-38.

[2] Klemm, Michael / Hartmut Stöckl (2011): „Bildlinguistik“ – Standortbestimmung, Überblick, Forschungsdesiderate. In: Diekmannshenke, Hajo / Klemm, Michael / Stöckl, Hartmut (Hgg.): Bildlinguistik. Berlin: Erich Schmidt. 7–18.

[3] Michel, Sascha (i.Dr.): Theorie, Methode und Beschreibungsebenen der multimodalen Analyse. Erscheint in: Niehr, Thomas / Kilian, Jörg / Wengeler, Martin (Hgg.), Handbuch Sprache und Politik. Bremen: Hempen.

[4] Diekmannshenke, Hajo / Michael Klemm / Hartmut Stöckl (2011) (Hgg.): Bildlinguistik. Berlin: Erich Schmidt.

[5] Klug, Nina-Maria (i.Dr.): Multimodale Text- und Diskurssemantik. Erscheint in: Klug, Nina-Maria / Stöckl, Hartmut (Hgg.): Handbuch Sprache im multimodalen Kontext. Berlin/ Boston: de Gruyter.

[6] Schmitz, Ulrich (2015): Text-Bild-Gefüge analysieren und verstehen. In: Weiterbildung 3/2015, 9-13.